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Fasten aus spirituellen oder gesundheitlichen Gründen
Bis zur Sesshaftwerdung hungerte der Mensch regelmäßig, schließlich war die Nahrungsaufnahme vom Jagderfolg abhängig. Der zeitweise Nahrungsverzicht ist also etwas, an das unsere Körper gut angepasst sind. In allen großen Religionen spielt das Fasten aus spirituellen Gründen ebenfalls eine Rolle. In den letzten 15 bis 20 Jahren begann die Wissenschaft, den Essensverzicht zu erforschen, und hat herausgefunden: Regelmäßiges Fasten ist für die Gesundheit von großer Bedeutung.
Fasten in der Tradition
Religiös motiviertes Fasten kennen alle Glaubensrichtungen. Nicht immer bezieht sich das Fasten rein auf Essen und Trinken, auch auf Arbeiten oder Sexualität wird mancherorts verzichtet. Der reine Verzicht steht dabei aber gar nicht im Vordergrund. Es geht darum, sich der spirituellen Welt zu öffnen, die körperlichen Bedürfnisse hintanzustellen oder sich auf ein Fest vorzubereiten. Das Christentum etwa kennt ganz unterschiedliche Ausgestaltungen des Fastens.
In der Orthodoxie gibt es beispielsweise vier längere Fastenperioden, im katholischen Christentum verfestigte sich das Fasten vor dem wichtigsten Fest, dem Osterfest, was auch mit vorchristlichen Bräuchen zu tun hat und damit, dass im ausgehenden Winter die Vorräte knapp wurden. Im Islam stellt das Fasten im Ramadan gar eine der fünf Säulen dar. Buddha soll gefastet haben, um Erleuchtung zu finden. Der Hinduismus kennt einzelne Fastentage ebenso wie die strenge asketische Form. Und Jom Kippur etwa ist der wichtigste jüdische Fastentag, an dem auch auf Arbeit verzichtet wird.
Was passiert beim Fasten?
Nach 12 bis 16 Stunden Nahrungsentzug gerät der Körper in einen Stresszustand. Dieser kann einen Prozess namens Autophagie in Gang setzen: Dabei starten unsere Zellen eine Art Verwertungsprozess – ältere, schadhafte Zellbestandteile werden recycelt, die freiwerdende Energie wird zum Aufbau neuer Strukturen genutzt, Abfallstoffe und Zelltrümmer, die Entzündungen verursachen und chronische Krankheiten begünstigen können, werden beseitigt.
Ein weiterer Prozess, der initiiert wird, ist der sogenannte metabolische Switch, also ein veränderter Stoffwechsel. Der Hauptbrennstoff unseres Körpers ist Traubenzucker (Glukose), der als Glykogen gespeichert wird. Nach 24 Stunden Fasten sind diese Speicher aufgebraucht – der Körper greift nun auf seine Fettreserven zurück. Das Fett wird in der Leber in einen neuen Brennstoff umgewandelt: die Ketone. Diese versorgen nun Gehirn und Muskeln mit Energie – der Körper ist in Ketose. Dieser Fettstoffwechsel hatte lange einen schlechten Ruf, neuere Forschung zeigt, dass Ketone die Zellen vor oxidativem Stress schützen, den Alterungsprozess verlangsamen und das Gedächtnis verbessern können.
Fasten regt also förmlich die Selbstheilungskräfte des Körpers an, mit dem Nahrungsverzicht sagt man ihm quasi: Repariere alles, was geht.

Ziele des Fastens
Spirituelle Fastentage in Klöstern gibt es schon länger, auch Heilfastentage mit Fokus auf Wellness stehen Interessierten offen. Zunehmend bieten nun auch spezielle Kliniken medizinisch begleitete Fastenkuren an. Sie haben neben dem Wohlfühlfaktor und einer etwaigen Gewichtsreduktion vor allem einen gesundheitlichen Nutzen. Denn Fasten scheint antirheumatisch und entzündungshemmend zu wirken, Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und sogar Diabetes vorzubeugen. Bauchfett und Körpergewicht können reduziert werden, die Muskelkraft und -struktur beeinträchtigt das Fasten jedoch nicht.
Wenn der Verzicht auf feste Nahrung im Rahmen von Fastenkuren mit reichlich Bewegung oder auch Massagen, Kältetherapie oder anderen Behandlungen kombiniert wird, wirkt es noch besser.
Intervallfasten
Es gibt eine Vielzahl von Fastenmethoden und -programmen von Low-Carb- bis Buchinger- oder Basenfasten, von FdH bis zum Saftfasten. Wir wollen hier nur einen kleinen Einblick in eine Fastenart geben: Eine wirksame und auch zu Hause sehr gut umsetzbare Möglichkeit, die eigene Gesundheit durch Fasten zu verbessern, ist das Intervallfasten. Bereits in den 90ern legte der US-amerikanische Forscher Mark Mattson den wissenschaftlichen Grundstein dafür. Studien zeigten, dass es das Gedächtnis und die körperliche Ausdauer verbessert, es wirkt sich positiv bei Fettleber, Diabetes Typ II, entzündlichen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden aus und hilft dabei, Übergewicht abzubauen.
12 bis 16 Stunden Nahrungsverzicht werden empfohlen, damit die Autophagie und weitere förderliche Prozesse in Gang kommen. Ganz genau weiß man es aber noch nicht, was genau bei wem gut funktioniert. Geeignet ist das Intervallfasten jedenfalls nur für Erwachsene. Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes Typ I, Problemen mit Leber oder Niere, Essstörungen und schwangere Frauen sollten nicht fasten.
Allen, die es probieren möchten, sei ans Herz gelegt: Stunden zählen ist wichtiger als Kalorien zählen.
Text: A. Sitzwohl
Quellen: ARTE F, 2023: Fasten. Ein Phänomen wird erforscht; kreuz & quer: Reinigung von innen – Fasten in den Religionen (beide abgerufen am 20.02.2025)